Zuerst klären: wie akut ist die Lage?
Kurzregel: Unmittelbare Gefahr → 144 oder 117. Psychiatrische Krise ohne Lebensgefahr → 0800 33 66 55.
Akut gefährlich
Konkrete Suizidabsicht, Gewalt, schwere Bedrohung, massive Entgleisung. → 144 oder 117.
Akut entgleisend, noch ansprechbar
Manie, psychotische Zuspitzung, schwere Depression, rasche Eskalation. → 0800 33 66 55, dann Krisenplan aktivieren.
Noch nicht akut, aber nicht warten
Frühe Warnzeichen, Kontrollverlust, starke Verunsicherung. → Heute handeln.
Krisenplan vorhanden? Jetzt öffnen und den vereinbarten Schritten folgen. Noch keinen? → Krisenplan-Werkzeug
Alle Notfallnummern
Primär für den Kanton Zürich; die Grundlogik gilt breiter. Die obersten Nummern sind für die akute Lage, weitere Stellen ergänzend.
Wenn Kinder oder Jugendliche im Haushalt direkt mitbetroffen sind, ist 147 oft der passendere erste Gesprächskanal als langes Warten bis zum nächsten Werktag. Für kinder- und jugendpsychiatrische Notfälle ist zusätzlich 058 384 66 66 erreichbar.
Kurzanleitungen nach Situation
Öffnen Sie die Situation, die dem Moment am nächsten kommt. Ausführlichere Hilfen: Modul 6.
- Nehmen Sie jede Äusserung ernst — auch indirekte: «Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre.»
- Fragen Sie direkt: «Denkst du daran, dir etwas anzutun?» Diese Frage löst Suizidgedanken nicht aus (Dazzi et al., 2014).
- Hören Sie zu. Nicht bewerten, nicht bagatellisieren.
- Sichern Sie die Umgebung: Medikamente, scharfe Gegenstände ausser Reichweite.
- Bleiben Sie bei der Person, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Ausführlichere Gesprächshilfen: Modul 6.
- Schläft die Person seit 2+ Nächten kaum? Gibt sie unkontrolliert Geld aus? Ungewöhnlich reizbar oder grandios?
- Sprechen Sie ruhig und kurz: ein Satz, ein Anliegen. Nicht argumentieren.
- Krisenplan aktivieren — wenn vorhanden. Sonst: zuerst 0800 33 66 55 anrufen, nicht erst lange selbst ordnen.
- Finanzen schützen: Konten, Kreditkarten, Vollmachten prüfen.
- Fahren lassen? Nur wenn die Person sicher fahren kann. Im Zweifel: Nein.
- Anwesenheit ist wichtiger als Worte. «Ich bin da. Du musst nichts sagen.»
- Ermutigen Sie zur Kontaktaufnahme mit dem Behandlungsteam — bieten Sie an, gemeinsam anzurufen.
- Medikamenten-Einnahme sanft begleiten: «Ich erinnere dich gern» statt «Schon wieder vergessen?»
- Schützen Sie sich selbst: Depressive Phasen können Ihre eigene Stimmung mitsinken lassen.
- Wahnideen fühlen sich für die Person real an. Sie können sie nicht wegdiskutieren.
- Ruhig, langsam, kurze Sätze. Nicht widersprechen, nicht bestätigen: «Ich sehe es anders.»
- Bei Paranoia: Gefühle anerkennen, nicht den Inhalt. «Ich höre, dass du dir Sorgen machst.»
- Reizarme Umgebung: wenig Licht, wenig Lärm, wenig Besucher.
- Behandlungsteam sofort informieren — psychotische Episoden erfordern fast immer professionelle Hilfe.
- Fluchtweg offenhalten, Kinder in Sicherheit.
- Ihre Sicherheit geht vor. Verlassen Sie den Raum. Nehmen Sie Kinder mit.
- Rufen Sie 117 (Polizei) an. Das ist kein Verrat — es ist Schutz.
- Gehen Sie zu Nachbarn, Freunden oder einem öffentlichen Ort.
- Dokumentieren Sie Verletzungen (Fotos, Datum, Uhrzeit).
- Opferhilfe Zürich 24 h: 142 — anonym, kostenlos und rund um die Uhr.
- Reguläre Opferberatung: 044 299 40 50 — vertiefte Begleitung während der Bürozeiten.
Wichtig: Gewalt ist nie akzeptabel — auch nicht als Symptom einer Erkrankung. Das zu benennen ist kein Verrat an Ihrem Partner.
- Bank sofort kontaktieren und die Situation schildern — viele Institute haben Vorgehensweisen für solche Fälle.
- Käufe können in der Schweiz unter Umständen angefochten werden, wenn eine Geschäftsunfähigkeit nachgewiesen werden kann (Art. 18 ZGB).
- KESB kontaktieren (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde), wenn rasch Schutzmassnahmen geprüft werden müssen. Zuständigkeiten laufen je nach Wohnort über die örtliche Behörde.
- Alles dokumentieren: Kontoauszüge, Verträge, Kommunikation — mit Datum und Uhrzeit.
- Rechtsberatung: Pro Mente Sana (0848 800 858) — kostenlos.
Das ist meist keine 144-/117-Lage, aber oft eine akute Folgenschadensituation. Präventive Massnahmen wie Transaktionslimiten, Vorsorgeauftrag und Bankabsprachen sind in der Schweiz besonders wichtig. → Modul 6: Vorbereitung
Fürsorgerische Unterbringung (FU) — Was ist das?
Wenn eine Person sich selbst oder andere erheblich gefährdet und keine Einsicht zeigt, kann eine FU in eine Klinik erfolgen — auch gegen den Willen. Das ist ein letztes Mittel und eine schwere Entscheidung.
Wie läuft eine FU ab? ▸
Pro Mente Sana (0848 800 858) — kostenlose Rechtsberatung zu FU, Vorsorge und Beschwerdewegen. Die Fachstelle Angehörigenarbeit PUK unterstützt Sie bei dieser Entscheidung.
Wenn Sie unsicher sind, ob es schon ein Notfall ist
«Es könnte schlimmer werden»
Frühe Warnsignale, aber noch "funktionsfähig".
«Er/sie sagt, es ist nichts»
Die Person verneint. Sie sehen es aber.
«Ich weiss nicht, ob es ernst gemeint ist»
Suizidgedanken „nur als Witz" oder beiläufig geäussert.
Nach der akuten Sicherung
Wenn die Lage gesichert ist: