Grafische Triage mit drei Wegen: 144 oder 117 bei unmittelbarer Gefahr, 0800 33 66 55 bei psychiatrischer Krise, heute handeln bei Warnzeichen.

Zuerst klären: wie akut ist die Lage?

Kurzregel: Unmittelbare Gefahr → 144 oder 117. Psychiatrische Krise ohne Lebensgefahr → 0800 33 66 55.

Akut gefährlich

Konkrete Suizidabsicht, Gewalt, schwere Bedrohung, massive Entgleisung. 144 oder 117.

Akut entgleisend, noch ansprechbar

Manie, psychotische Zuspitzung, schwere Depression, rasche Eskalation. 0800 33 66 55, dann Krisenplan aktivieren.

Noch nicht akut, aber nicht warten

Frühe Warnzeichen, Kontrollverlust, starke Verunsicherung. → Heute handeln.

Krisenplan vorhanden? Jetzt öffnen und den vereinbarten Schritten folgen. Noch keinen? → Krisenplan-Werkzeug

Alle Notfallnummern

Primär für den Kanton Zürich; die Grundlogik gilt breiter. Die obersten Nummern sind für die akute Lage, weitere Stellen ergänzend.

0800 33 66 55
Ärztefon - Notfalldienst ZH
24/7, kostenlos
144
Sanität / Rettungsdienst
Akute Gefahr für Leib und Leben
117
Polizei
Gewalt oder unmittelbare Bedrohung
143
Dargebotene Hand
24/7 — auch für Angehörige
147
Pro Juventute 147
24/7 — Kinder und Jugendliche
058 384 20 00
PUK Zürich - Notfall Erwachsene
Ab 18 Jahre, 24/7
058 384 66 66
PUK Zürich - Kinder und Jugendliche
24/7
142
Opferhilfe Zürich 24 h
24/7 bei Gewalt, Bedrohung, Stalking
058 384 38 00
Fachstelle Angehörigenarbeit PUK
Beratung — kostenlos, vertraulich
0848 800 858
Pro Mente Sana
Rechtsberatung, FU, Vorsorge

Wenn Kinder oder Jugendliche im Haushalt direkt mitbetroffen sind, ist 147 oft der passendere erste Gesprächskanal als langes Warten bis zum nächsten Werktag. Für kinder- und jugendpsychiatrische Notfälle ist zusätzlich 058 384 66 66 erreichbar.

Kurzanleitungen nach Situation

Öffnen Sie die Situation, die dem Moment am nächsten kommt. Ausführlichere Hilfen: Modul 6.

  • Nehmen Sie jede Äusserung ernst — auch indirekte: «Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre.»
  • Fragen Sie direkt: «Denkst du daran, dir etwas anzutun?» Diese Frage löst Suizidgedanken nicht aus (Dazzi et al., 2014).
  • Hören Sie zu. Nicht bewerten, nicht bagatellisieren.
  • Sichern Sie die Umgebung: Medikamente, scharfe Gegenstände ausser Reichweite.
  • Bleiben Sie bei der Person, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Bei konkretem Plan oder vorhandenen Mitteln: sofort 144 anrufen. Nicht allein bewältigen.
✓ Zuhören. Direkt fragen. Bei der Person bleiben. Fachpersonen einbeziehen.
✗ «Das wird schon.» Bagatellisieren. Allein lassen. Versprechen erzwingen.
↓ PDF: Umgang mit Suizidgedanken Direkt öffnen oder herunterladen · DL-04 · core_v01 · 2026-05-01

Ausführlichere Gesprächshilfen: Modul 6.

FU Fürsorgerische Unterbringung (FU) — Was ist das?

Wenn eine Person sich selbst oder andere erheblich gefährdet und keine Einsicht zeigt, kann eine FU in eine Klinik erfolgen — auch gegen den Willen. Das ist ein letztes Mittel und eine schwere Entscheidung.

Wie läuft eine FU ab? ▸
1
Auslösung
Arzt, KESB oder Polizei ordnen an. Angehörige können Gefährdungsmeldung einreichen.
2
Einweisung
Arzt beurteilt vor Ort: Gefährdung, psychische Störung, fehlende Einsicht — dann Einweisung.
3
Richterliche Prüfung
Betroffene Person kann die FU anfechten.
Entscheid innert 5 Werktagen
4
Aufhebung
Endet wenn Gefährdungsvoraussetzungen wegfallen — durch Behandlung, Einsicht oder Gericht.
Als Angehörige und Nahestehende werden Sie nicht automatisch informiert — ausser bei Schweigepflichtentbindung. Sie können dem Behandlungsteam aber jederzeit Beobachtungen mitteilen.

Pro Mente Sana (0848 800 858) — kostenlose Rechtsberatung zu FU, Vorsorge und Beschwerdewegen. Die Fachstelle Angehörigenarbeit PUK unterstützt Sie bei dieser Entscheidung.

Wenn Sie unsicher sind, ob es schon ein Notfall ist

«Es könnte schlimmer werden»

Frühe Warnsignale, aber noch "funktionsfähig".

→ Jetzt handeln. Behandlungsteam kontaktieren. Frühe Eskalation ernst zu nehmen ist fast immer besser als warten.

«Er/sie sagt, es ist nichts»

Die Person verneint. Sie sehen es aber.

→ Vertrauen Sie Ihrer Wahrnehmung. Kontaktieren Sie das Behandlungsteam — das dürfen Sie immer, auch ohne Einwilligung.

«Ich weiss nicht, ob es ernst gemeint ist»

Suizidgedanken „nur als Witz" oder beiläufig geäussert.

→ Immer ernst nehmen. Direkt fragen, dann Fachpersonen einbeziehen.
Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.

Nach der akuten Sicherung

Wenn die Lage gesichert ist:

1
Kurz dokumentieren Was ist passiert? Verhalten, Aussagen, Auslöser, Interventionen. Schriftlich — das hilft beim nächsten Gespräch mit dem Behandlungsteam.
2
Nicht allein bleiben Fachstelle (058 384 38 00), Vertrauensperson oder Krisenplan ergänzen. Die Akutlage ist vorbei, aber auch Sie brauchen jetzt Unterstützung.